Mittwoch, 17. Dezember 2014

Der "Alltag" im Kinderdorf


Der "Winter" ist eingebrochen (es sind so um die 15 Grad, aber durch die hohe Luftfeuchtigkeit und der nichtvorhandenen Hausisolierung und Heizungen fühlt es sich kälter an) und es hat sich ein gewisser Alltag was die Arbeit angeht eingependelt. Leider sind wir jetzt nur noch zu dritt im Kinderdorf. Es gibt viel zu tun und es gibt viele Kinder, die Aufmerksamkeit benötigen. Mittlerweile haben wir eine ganz gute Basis gefunden, um uns mit den Kindern und Jugendlichen zu verständigen. Mit den Mitarbeitern ist es ein wenig schwieriger. Sie reden oftmals zu schnell auf uns ein und sind enttäuscht, wenn wir sie nicht verstehen. Wir haben nun ein kleines "Spielerepertoire", mit dem wir die Kinder beschäftigen können. Leider ist gutes Spielzeug hier schwer zu bekommen und teuer. Somit kaufen wir nach und nach etwas ein. Da im Kinderdorf gerne mal etwas abhanden kommt, müssen wir ständig unser Spielzeug im Blick haben und es in unserem Raum einschließen. Wenn wir also mal nicht da sind, haben die Kinder nichts zu spielen. Ich finde es schade, dass die Mitarbeiter nichts zur Verfügung stellen. Neben dem Spielen mögen die Kinder es total gerne, sich gegenseitig die Nägel zu lackieren oder sich das Gesicht einzucremen. Wir hatten die Creme ursprünglicher Weise nur für ein Mädchen gekauft, da es trockene Haut hatte. Letztlich fanden es alle Kinder total schön, sich eincreen zu lassen und es schien uns, als würden sie sowas nicht kennen. Wir haben uns 
Nam lackiert anderen Kindern die Nägel
vorgenommen, nun regelmäßig welche mit ins Kinderdorf zu nehmen. Es ist schön, dass die Kinder sich über so simple Dinge freuen können. Da an den Wochenenden in der Einrichtung so gut wie nichts los ist und kaum Mitarbeiter da sind, um sich um die Kinder zu kümmern, besuchen wird sie gerne mal. Wir haben auch schon einen Fotoabend gemacht. In der kurzen Zeit sind schon unglaublich viele Fotos entstanden. Es ist immer wieder eine Freude, zu sehen, wie glücklich sie sind, uns zu sehen. Ich habe die Kinder so liebgewonnen und würde sie gerne alle mit nach Deutschland nehmen. Es macht mich traurig, wenn ich darüber nachdenke, was aus ihnen später wird. Viele werden niemals arbeiten können und keine eigene Familie gründen. Oft stelle ich mir die Frage, was wäre, wenn diese Kinder in Deutschland aufwachsen würden. Würden sie einen Schulabschluss machen? Was ich jetzt schon sagen kann ist, ich werde sie auf jeden Fall nach diesem einen Jahr vermissen. Um ihnen eine Freude zu machen haben wir den Nikolaus (in Gestalt von Johannes) zu ihnen geschickt. Schaut euch an, wie die Kinder darauf reagierten. Johannes hat übrigens einen ganz tollen Artikel über das Leben in Vietnam geschrieben. Zu finden ist er hier: http://www.rnz.de/rnzzeitjung/LINKSEC00_20141030060000_110776628-Vietnam-nimmt-in-den-Arm---und-laesst-nicht-me.html . 




Nicht nur für die Kinder war Johannes als Nikolaus eine Sensation 





Wo wir in der ersten Zeit noch unsere Mittagspause im Kinderdorf verbrachten, fahren wir nun immer heim. Da die Arbeit uns manchmal viel ableistet, ist es schön, zwischendurch einfach rauszukommen um Ausdauer tanken zu können. Zudem hatten die Kinder sehr viel Energie beim an-die-Tür-klopfen während des Mittagsschlafs.

Vor einiger Zeit hat uns die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Hanoi gemeinsam mit Deutschstudenten der Universität Hanoi im Kinderdorf besucht. Sie wollten mehr über das Thema Freiwilligenarbeit erfahren. Einige von den Studenten konnten perfekt Deutsch sprechen, da sie für einige Zeit in Deutschland lebten (z.B. als Aupair). Wir zeigten ihnen die Einrichtung und unterhielten uns viel. Im Anschluss daran setzten wir uns alle zusammen und stellten uns gegenseitig Fragen. Ich fand es spannend zu erfahren, warum sie gerade deutsch studieren und was sie an Deutschland mögen. Auf die erste Frage wusste der Großteil keine konkrete Antwort. Was die zweite Frage anging, waren sie sich jedoch einig. Der deutsche Fussball und das Essen. Wir erklärten den Studenten, dass ein Freiwilligendienst nicht verpflichtend ist und warum wir uns gerade Viet Nam als Ziel aussuchten. Nach ungefähr zwei Stunden fuhren sie zurück nach Ha Noi. Das Treffen empfand ich als sehr schön. Wir tauschten mit einigen die Nummern aus und haben es sogar schon geschafft, uns mit ihnen in Ha Noi zu treffen. Dank ihnen, erhalten wir einen ganz anderen Zugang zu Ha Noi und der Kultur Vietnams.

Dieses Foto ist bei dem Besuch der Studenten im Kinderdorf entstanden


Hier kommen noch ein paar Impressionen aus dem Kinderdorf



Morgens in der Physio (Thao, Dang Ngoc, Hong und ich)



wie die Hühner auf der Stange: die Kinder putzen Zähne (Tham, Hoang und Quy)
Han, ich und Yen

Tham  und Nam 



Linh und Tham

nach dem Essen wird gespült




Hoang und ich

die gehörlosen Jugendlichen sticken am Vormittag beeindruckende Bilder (Nguyet, Linh, Linh und Lien)



Hoang



der Friseur war da - Nhi
Zähne putzen

Nam und Huy
Trung und Linh
festliches Essen am Frauentag - die Mitarbeiter
v.l.n.r. Han, Linh, Tham, Hieu und Hoang

Han und ich


Auf dem Weg zur Arbeit. Das Kinderdorf ist ungefähr vier Kilometer von unserem Haus entfernt. Meistens fahre ich eine Strecke pro Tag mit dem Rad hin.








Die Babystation des Sozialen Zentrums (wo Nina, Johannes und Thao arbeiten). Zurzeit kümmern sich jeweils abwechselnd zwei ältere Frauen um die sechs Säuglinge. Wenn sie Glück haben, werden die Säuglinge nach Frankreich oder in die USA adoptiert. 






             !!!Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in Jahr 2015!!!

Montag, 15. Dezember 2014

Es gibt wieder viel zu berichten!

Der letzte Eintrag ist mittlerweile schon ein bisschen her. Leider lebe ich so im Hier und Jetzt, dass ich nun erst dazu gekommen bin, alles aufzuschreiben. Hier kommen jetzt die prägendsten Ereignisse:

Sapa (10.10. - 13.10.2014)





Sapa liegt auf ungefähr 1.6000 Metern Höhe im Norden Vietnams. Dort leben Menschen der Hmong, Dao und Tay Stämme. Am frühen Morgen fuhren wir mit dem Bus nach Ha Noi. Dort angekommen, wechselten wir in einen Schlafbus, der uns in ca. 4,5 Stunden nach Lào Cai brachte. Weitere 45 Minuten später waren wir endlich in Sapa und wurden direkt von Einheimischen "belagert". Traditionell gekleidete Vietnamesen priesen Schmuck und genähte Textilien an und ließen nicht locker, ehe eine von uns etwas gekauft hatte. Es war schon komisch mit anzusehen, wie die Völker aus ihrer Kultur Kapital schlagen wollen. Sogar kleine Kinder wurden losgeschickt, um Waren zu verkaufen. Teilweise hatten diese sogar ihr kleines Geschwisterkind auf dem Rücken geschnürt. Wir besuchten ein traditionelles Dorf, Cat Cat. Leider war es nebelig. Trotz allem konnten wir die Aussicht genießen.Vielleicht werde ich nochmal zu einer geeigneteren Jahreszeit hinfahren.
In dem Dorf gab es viele Stände, an denen man die Möglichkeit hatte, etwas zu kaufen. Außerdem konnte man sich anschauen, wie die Menschen dort leben. Die Wohnhäuser waren nur sehr sporadisch ausgestattet. Am Ende des Dorfes gelangten wir zu einem schönen Wasserfall.

 Des Weiteren besuchten wir eine Art Park, der verschiedenste Aussichtspunkte bat. Da diese teilweise nur durch klettern zu erreichen waren und mein Knie zu dem Zeitpunkt noch ein wenig am schmerzen war, wartete ich unten. Ich blieb jedoch nicht lange alleine. Ich wurde von einem Mädchen angesprochen, die mich fragte, ob ich Lust hätte, etwas mit ihr und ihrer Familie zu essen. Ich freute mich über die nette Einladung und stimmte zu. Mai Lan (so hieß das Mädchen) stellte mir ihre Familie vor und erzählte, dass sie
in der Nähe Hanois wohnen und gemeinsam in Sapa Urlaub machen. Wir aßen Süßkartoffeln, machten zahlreiche Fotos zusammen und nach mehrmaligem Bedanken verabschiedeten sie sich von mir. Total verrückt, dass sie sie bei mir bedankten, schließlich hatten sie mich eingeladen. Das war ein sehr schönes Erlebnis, die Familie war so unglaublich nett. Ich werde sie mit Sicherheit wiedertreffen. Am letzten Tag erkundeten wir mit Rollern die Gegend. Leider war es auch heute nebelig und kalt. Trotzdem war es ein tolles und befreiendes Gefühl, durch die Berge zu fahren. 






Vietnamesisch-deutscher Austausch (22.10.2014) und Halloweenfeier (30.10.2014)
Vor einiger Zeit lernten wir Ky kennen. Er wohnt gemeinsam mit seiner Frau in Bac Giang und hat in seiner Jugend in Deutschland gelebt und studiert, sodass er gut Deutsch spricht. Es ist schön, einen deutschsprachigen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, auch mal tiefgründigere Gespräche führen zu können. Ky organisierte einen Vietnamesisch-Deutschen Austausch für uns, der in der Technischen Hochschule Bac Giang stattfand. Es waren unter anderem Vietnamesen da, die
einige Zeit als Gastarbeiter in der DDR gearbeitet haben. Zudem wohnten einige Studenten und der Direktor der Hochschule der Veranstaltung bei. Wir mussten uns selber vorstellen (das klappte sogar schon auf Vietnamesisch) und berichteten, aus welchen Beweggründen wir nach Viet Nam gekommen sind und warum wir einen Freiwilligendiest absolvieren. Letztlich hatte der Direktor das Wort. Er freute sich, dass wir den Weg zu seiner Hochschule gefunden hatten und gab zu verstehen, dass wir jederzeit willkommen sind.


Im Anschluss daran gab es ein vietnamesisch-deutsches Buffet. Ky stellte hierfür extra selber Wurst und  Senf her imd Kartoffelsalat und Gnochisuppe. Es wurde viel über unsere Arbeit gesprochen und über das Leben in Deutschland.

Der Direktor lud uns noch zu der Halloweenfeier der Hochschule ein. Leider kamen wir zu dieser ein bisschen zu spät, sodass der Raum schon voller Menschen war, die applaudierten, als wir den Raum betraten. Es fanden verschiedene Programmpunkte statt, unter Anderem Hip Hop, Standarttanzen und einen Vortrag über Halloween. Letztlich mussten wir auf die Bühne ein deutschsprachiges Lied singen und berichten, wie wir in Deutschland Halloween feiern. 




Hoa Binh (24.10. - 26.10.2014)
Wir haben Henni, Marlene und Lukas in Hoa Binh besucht. Schon die Fahrt dorthin war total lustig. Der Busbegleiter kannte unsere Vorgänger und begrüßte uns sehr herzlich mit einer Umarmung. Im Laufe der Fahrt entpuppte er sich  als alternativer Arzt. Er drückte Nina und mir verschiedene Punkte unseres Körpers und massierte uns. Alles in allem eine sehr skuriele Fahrt. Landschaftlich gesehen ist Hoa Binh ganz anders als Bac Giang. Wo letzteres von der Umgebung wenig spektakulär ist, ist Hoa Binh total schön. Es gibt Berge, viel Grün und einen Fluss, der sich durch die Stadt zieht. Zudem gibt es in Hoa Binh einen riesigen Staudamm und ein sehr bekanntes Wasserkraftwerk. Hier wird der Strom für den ganzen Norden produziert.

 

Ha Long Bay / Cat Ba (12.11. - 14.11.)
Auch dieses mal ging es recht früh los. Wir (Leos Freunde Jonas und Noah begleiteten uns) trafen in Ha Noi auf die Hoa Binh Truppe und anh Thang und fuhren von dort in einem Minibus nach Ha Long. Die Fahrt dorthin dauerte etwa 3 1/2 Stunde. In der Ha Long Bay ragen über 1000 Kalkfelsen (meist unbewohnte Inseln und Felsen) aus dem Wasser. Da ich bereits vor meiner Abreise viele Bilder davon gesehen hatte, freute ich mich unglaublich auf die Reise. Dort angekommen stiegen wir gemeinsam mit anderen Touristen auf eine Fähre, auf der es Essen (Fisch) gab. Direkt lernten wir ein deutsches Pärchen kennen. Sie buchten zu ihrem Trip ein Getränkepaket hinzu, welches ihnen die Bootcrew jedoch nicht zugestehen wollte. Sie  letztlich jedoch gratis Bier aushandeln. Sie meckerten über die Menschen in Vietnam. Ich konnte es nachvollziehen, fand es jedoch total schade. Ich musste an all die netten Menschen denken, die ich bislang kennenlernen durfte. Sie hatten lediglich zu den Einheimischen Kontakt, die vom Tourismus abhängig sind und somit auch gerne mal ein wenig flunkern. Und aus diesen Erfahrungen zogen sie ein Urteil über die Vietnamesen. Schade! Wir besichtigten eine Höhle, die von innen bunt beleuchtet war. Für meinen Geschmack ein wenig übertrieben.

 Anschließend ging es wieder auf ein Boot. Wir hatten die Gelegenheit, Kajak zu fahren und schwimmen zu gehen. Wir hatten die Befürchtung, dass es ein kalter Kurzurlaub wird. Dass das Wetter dann so gut wird, dass wir sogar schwimmen gehen konnten, hätte keiner gedacht. Die erste Nacht verbrachten wir dann auf dem Boot. 
Am nächsten Morgen fuhren wir ans Festland der größten Insel Ha Long Bays (Cat Ba) und mit dem Bus weiter zu einem Nationalpark. Dort wanderten wir einen Hügel hoch und bekamen eine tolle Aussicht zu sehen. Anschließend fuhren wir zur "Touristenarea" Cat Ba`s, bezogen unser Hostel mit Blick aufs Wasser und gingen im Meer schwimmen. 

 Da zu dieser Zeit nicht so viele Touristen unterwegs sind, hatten wir den Strand für uns alleine. Da es am nächsten Tag zu warm war, konnten wir die geplante Fahrradtour leider nicht machen. So nutzten wir das gute Wetter und gingen schwimmen. Abends besuchten wir eine nette Bar und tauchten in die Welt der Backpacker ein. Es war spannend, ihren Eindrücke von Südostasien zu lauschen. Einen Tag später ging es zurück nach Ha Noi. 







Besuch aus der Heimat
Am 16.11. fuhr ich zum Flughafen Hanoi, um Stephi (eine sehr gute Freundin aus Hamburg) abzuholen. Sie reist schon seit einiger Zeit durch Südostasien und wollte nun Viet Nam bereisen. Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf. Ich malte mir aus, wie es wird, wenn wir uns sehen, wurde jedoch auch für einige Sekunden wehmütig, da ich an meinen Abschied erinnert wurde. Die Begrüßung fiel herzlich aus und es gab von beiden Seiten viel zu berichten. Sie lernte die anderen Freiwilligen kennen und fuhr gemeinsam mit uns nach Bac Giang. Stephi blieb bis zum kommenden Wochenende bei uns und unterstützte uns bei unserer Arbeit im Kinderdorf. Das kommende Wochenende verbrachten wir dann zusammen in Ha Noi. Unter anderem besuchten wir dort das Wasserpuppentheater. Ich hatte bereits davon gehört, konnte mir jedoch nichts darunter vorstellen. Es ist quasi ein Puppenspiel im Wasser, wobei selbst die Puppenspieler im Wasser stehen. Es werden kleine Geschichten erzählt, die durch Livemusik untermalt werden. Sehr empfehlenswert! Ich habe die gemeinsame Zeit sehr genossen, es ist schön, eine so vertraute Person um sich zu haben. Ab den 23.12. werden wir dann gemeinsam fünf Wochen verreisen (2 Wochen Nordthailand, 3 Wochen Philippinen). Ich freue mich darauf!

Traurige Abschiede
 Am 20.11. mussten wir zwei Freiwillige verabschieden. Es ist für uns alle total komisch, da wir als Gruppe schon sehr zusammengewachsen sind und viele gemeinsame Erfahrungen teilen. Aber wir müssen alle nach vorne schauen und können uns auf ein gemeinsames Wiedersehen in Deutschland freuen.

Das wars von mir. Es war viel auf einmal , aber nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was ich hier erlebe. Was ich hier bereits gelernt habe ist, es bringt nichts, dass Leben zu planen. Es kommt doch immer anders. Gerade das ist das Spannende an dem Leben hier in Viet Nam. In den kommenden Tagen, werd ich nochmal was über die Arbeit im Kinderdorf schreiben. Das interessiert mit Sicherheit einige von euch.

Christin

Donnerstag, 25. September 2014

Wasserfall, Umzug und nicht so schöne Dinge



Der Ausflug zum Wasserfall war total schön. Bevor wir losgingen bereiteten wir alles für das BBQ vor. Wir kauften auf dem Markt Fleisch, Tofu, Obst und Fisch. Anschließend fuhren wir mit einem Privatbus ungefähr 30 Minuten, bis wir am Ziel waren. Dort angekommen mussten wir noch ein kurzes Stück laufen. Doch dieses Stück hatte es in sich. Wir sprangen Stein für Stein über Flüsse und mussten kleine Hügel hochklettern.  Als wir den Wasserfall sahen, sprangen wir direkt in das kühle Wasser und der anstrengende Weg war vergessen. Nach einigen Gruppenbildern wurde eine Feuerstelle für das BBQ eingerichtet, gegrillt und gegessen. Spätnachmittags ging es zurück zu unserem Haus und der Abend wurde mit einem Besuch beim Bia Hoi beendet.





alle Freiwilligen und Anh Thang



 




























 


















Leider gibt es auch eine nicht so erfreuliche Nachricht. Ich bin am vergangenen Sonntag mit dem Rad gestürzt. Ich musste stark bremsen, da uns ein Autofahrer die Vorfahrt nahm (ziemlich naiv, zu denken, dass es hier eine Vorfahrtsregel gäbe). Auf der Straße lag viel Schotter, sodass die Reifen wegrutschten und ich auf die linke Seite fiel. Im ersten Augenblick war alles gut. Ich stellte das Rad wieder auf und regte mich über den Autofahrer auf, der einfach weg fuhr. Dann kamen schon erste besorgte Vietnamesen auf uns zu, um uns zu helfen.  Wir wollten ihnen verständlich machen, dass es uns gut geht uns wir fahren können, bis sie schließlich auf mein Knie zeigten, welches ziemlich feste am Bluten war. So setzten wir uns an den Straßenrand, um uns kurz auszuruhen.  Leider wurde daraus nichts. Mein Knie sah so schrecklich blutig aus, dass mir schlecht und schwindelig wurde und ich letztlich in Ohnmacht fiel. Ein Glück das Anna bis auf Schürfwunden nichts schlimmes passiert war. Als ich wach wurde wunderte ich mich über die Menschenmenge, die sich mittlerweile um uns versammelte. Ich stellte fest, dass ein Mann, der sogar ein wenig Deutsch sprechen konnte, uns etwas zu trinken kaufte und eine Frau bei der Apotheke Desinfektionsmittel und Verbandszeug. Sie hatte mir sogar das Bein verbunden. Anna rief Nina und Johannes an, die vorgefahren waren, um sie zurückzurufen. Die nette Frau, die direkt nach dem Sturz zu uns geeilt ist, hatte uns ein Taxi bestellt und wollte, dass wir zum „Bác sĩ“ (Arzt) fahren. Glücklicherweise kam auch Anh Tuan (ein Mannschaftskollege von Johannes und Leo) zur Unfallstelle. Er konnte verständlich machen, dass wir einfach nur nach Hause wollten. Die nette Frau (ich weiß leider nicht, wie sie hieß) begleitete uns bis ins Haus, wo wir den Verband öffneten. Leider sagten mir dann auch die anderen, dass es besser wäre zum Arzt zu gehen. So bestellten wir ein neues Taxi und fuhren zum Krankenhaus. Dort angekommen, erfüllten sich meine Horrorvorstellungen eines Krankenhauses in Bac Giang. Die Wände waren schimmelig und alles wirkte dreckig. Die Vorstellung, ich müsse hier genäht werden, war in dem Moment unglaublich beängstigend. Ich war so froh, dass Anna, Johannes und Anh Tuan mitgekommen sind. Da der Arzt lediglich vietnamesisch sprach, versuchte Anh Tuan uns alles zu erklären und telefonierte zeitweise sogar mit Anh Thang, der uns auf Englisch übersetzen konnte. Blöde Situation! Um uns herum lagen die Kranken auf Liegen. Einer von ihnen sah besonders schlimm aus. Dieser Mann wurde vor mir geröngt. Leider hielten es die Mitarbeiter des Krankenhauses nicht für wichtig, die Liege zu reinigen. So musste ich auf die blutverschmierte Liege. Aber zu dem Zeitpunkt war es mir fast egal. Anschließend ging es zurück in den Behandlungsraum, wo ich eine Spritze in den Arm und mindestens vier ins Knie bekam. Dann wurde mein linkes Knie genäht. Ich war so unglaublich froh, als alles vorbei war und wir im Taxi nach Hause saßen.

Das Ganze ist nun vier Tage her. Leider hat sich die Wunde ein wenig entzündet, sodass ich morgen nach Hanoi fahre, um sie dort im internationalen Krankenhaus nachbehandeln zu lassen. Ich hoffe, dieses Mal wird es weniger schmerzhaft.                                                                                                  Ich möchte mich noch kurz bedanken. Zuerst einmal bei Anna, Johannes und Anh Tuan. Ich war so froh, dass ihr bei mir wart und mir ein Stück weit Ruhe gegeben habt. Außerdem bei meiner Familie und Johannes Eltern, die sich in Ferndiagnosen übten. Und natürlich auch bei allen anderen aus dem Haus. Danke, dass ihr mich so nett unterstützt (habt). Danke euch allen!!!

Mir fällt gerade kein netter Übergang ein, ich möchte euch aber trotzdem noch kurz von unserem Umzug und dem neuen Haus erzählen. Am vergangenem Montag sind wir umgezogen. Das neue Haus ist nicht weit entfernt von dem alten und in einem super Zustand, da es gerade erst fertig gebaut wurde. Aufgrund der Tatsache, dass wir in den letzten Tag im Sören Sunshine House unzählige Ameisen in unserem Zimmer fanden, es reinregnete und die Toilette im Erdgeschoss dazu neigte, ab und an überzulaufen, freute ich mich auf den Umzug. Leider war das Timing nicht so gut. Da ich nur humpeln konnte, war ich keine Hilfe und wollte mich auch eigentlich nur in mein Bett legen und das Bein hochlegen. Zum Glück hatten wir Unterstützung von einigen Jungs der Fussballmannschaft. Jetzt noch kurz ein paar Details zum neuen Haus: Das neue Haus verfügt über fünf Zimmer, wobei das eine ausschließlich als Gästezimmer genutzt wird, da es offen ist. Es gibt einen Eingangsbereich (in dem die sechs Fahrräder und drei Roller ihren Platz finden), eine Küche mit kleinem Essbereich und in der ersten Etage ein offenes Wohnzimmer. Zudem hat unser Haus zwei Badezimmer und Balkone und einen Garten, der aber noch nicht nach einem solchen ausschaut.